Stadtwerke AG Mobilität
14.11.2019

Pilotprojekt für die Mobilität der Zukunft

20 neue öffentliche Ladesäulen, Carsharing mit Elektroautos, Verknüpfung von Fahrradvermietsystem und Öffentlichem Nahverkehr: Mainzer Stadtwerke präsentieren am Firmenstandort in der Neustadt umfassendes Mobilitätskonzept

MAINZ. Die Mainzer Stadtwerke drücken beim Ausbau der Elektromobilität aufs Tempo: Zusätzlich zu den vorhandenen gut 80 öffentlichen Ladepunkten für Elektrofahrzeuge in Mainz und Umgebung ist am Firmensitz in der Rheinallee einer der größten E-Ladestandorte im Rhein-Main-Gebiet entstanden: Aktuell können dort bereits mehr als 40 Elektrofahrzeuge an Ladestationen mit Strom betankt werden, die Hälfte davon ist seit einigen Tagen öffentlich zugänglich. Die Errichtung von weiteren 30 bis 40 Lademöglichkeiten in der Rheinallee wird aktuell vorbereitet und soll bis 2022 vorangetrieben werden. Die Stadtwerke-Vorstände Daniel Gahr und Dr. Tobias Brosze und die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder stellten heute bei einem Pressetermin nicht nur Einzelheiten des Umbaus vor, von dem auch Halter von E-Fahrzeugen in der Mainzer Neustadt profitieren werden. Sie präsentierten auf dem Parkplatz auch ein zukunftsweisendes umfassendes Mobilitätskonzept, das es so in Mainz bisher nicht gab. Zusätzlich zu den neuen Ladesäulen gibt es bei den Stadtwerken erstmals eine Carsharing-Station mit zwei Elektroautos und neue zusätzliche Auflademöglichkeiten für E-Bikes und E-Roller. Die Fahrradvermietstation von meinRad und die bestehende guten Umsteigemöglichkeiten an der Haltstelle auf den Mainzer ÖPNV runden das umwelt- und klimafreundliche Komplettpaket ab.    

Vor dem Stadtwerke-Hochhaus in der Rheinallee sind 20 Parkplätze jetzt komplett auf den künftigen Ausbau der Elektromobilität vorbereitet worden: Alle Stellplätze verfügen über eine 22-kW-AC-Lademöglichkeit für E-Fahrzeuge – bisher gab es bei den Stadtwerken lediglich zwei öffentlich zugängliche Ladepunkte. „Was wir hier machen, ist sicher in der Region einzigartig“, verdeutlicht Dr. Brosze die Dimensionen des Projektes. Ein Projekt, das die Stadtwerke zum einen als wichtigen Beitrag für eine emissionsarme Mobilität sehen, zum anderen aber auch anderen Unternehmen und Fuhrparkbetreibern damit zeigen wollen, was heute bereits technisch machbar und umsetzbar ist.

Dabei besteht der Umbau des Parkplatzes aus deutlich mehr als dem Aufstellen von 10 Ladestationen mit jeweils zwei Ladepunkten. Die notwendigen Leitungsarbeiten im Boden und die intelligente Ladetechnik im Hintergrund stellten die eigentliche Herausforderung dar. So wurde im Hintergrund ein intelligentes Lade- und Energiemanagement installiert. Das System erkennt automatisch, wie viele Autos gerade auf dem Vorplatz an die Ladestationen angeschlossen sind, wieviel Leistung diese Fahrzeuge abrufen möchten und regelt die Stromzufuhr entsprechend.

„Es ist unheimlich spannend was hier passiert und ich bin den Stadtwerken sehr dankbar, dass sie beim Thema Elektromobilität in Vorleistung gehen,
handeln und nicht wie andere nur ankündigen“, freut sich Katrin Eder. „Es bringt nämlich nichts, wenn die Autoindustrie auf die ungenügende Ladeinfrastruktur
hinweist und deshalb bei der Entwicklung von E-Autos zögerlich handelt. Und es bringt auch nichts, wenn nicht in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert
wird, weil es noch zu wenige oder zu teure E-Fahrzeuge gibt. Hier in Mainz durchbrechen wir diese Henne-Ei-Problematik“, verdeutlicht die Umwelt- und
Verkehrsdezernentin. „Auch die Verbindung von Elektromobilität und Carsharing ist vorbildlich. Denn nur eins-zu-eins Verbrenner durch E-Fahrzeuge zu ersetzen, bringt
weder den entscheidenden Durchbruch für den Klimaschutz noch würde dadurch das Blech auf unseren Straßen reduziert. Studien belegen dagegen, dass ein
Carsharing-Fahrzeug zwischen 8 und 20 private PKW ersetzt. So kann nicht nur der Parkraummangel gelindert, sondern auch der gewonnene Platz künftig für
mehr Aufenthaltsqualität gerade in der dicht bebauten Neustadt genutzt werden.“

Von den 20 neuen Lademöglichkeiten profitieren auch die Anwohner der Stadtwerke. Auf dem Vorplatz wurde eine neue Schranke installiert, die die Benutzung der Parkplätze regelt. Fünf jederzeit zugängliche Parkplätze vor der Schranke sind tagsüber für Besucherinnen und Besucher des Mainzer Energieladens reserviert. Von den übrigen 15 Stellplätzen sind aktuell drei ausschließlich für E-Fahrzeuge beim Tankvorgang vorgesehen. Die anderen 12 Besucher-Stellplätze können aktuell sowohl von E-Autos, aber auch Benzinern oder Dieselfahrzeugen genutzt werden. Je nachdem, wie sich die Zulassungszahlen für E-Autos und die Nachfrage nach Strom-Lademöglichkeiten entwickeln, werden nach und nach immer mehr dieser Parklätze bevorzugt E-Fahrzeugen zur Verfügung gestellt.

Strom tanken ist an den neuen Vorplatz-Ladesäulen zunächst weiter gratis. Mittelfristig wird es aber ein Tarifsystem geben, das derzeit abgestimmt wird. Das gilt übrigens auch für die 80 anderen öffentlichen Stadtwerke-Ladepunkte in Mainz und Umgebung, die mittelfristig ebenfalls nicht mehr gratis zu nutzen sein werden. 

„Wir begreifen Mobilität nicht nur Auto-fixiert“, erläutert Dr. Tobias Brosze einen weiteren Aspekt des Pilot-Projektes. Deshalb wurde auf dem Vorplatz parallel zum Ausbau der Auto-Ladeinfrastruktur eine neue Ladestation mit Überdachung für E-Bikes und E-Roller errichtet.

Zwei neue Carsharing-Stellplätze runden zusätzlich zu der bereits existierenden meinRad-Fahrradstation und der benachbarten Bus-Haltestelle das öffentliche Mobilitätsangebot ab. Das Besondere an der Carsharing-Station: Hier bietet die Mainzer Mobilität in Kooperation mit book-n-drive erstmals zwei reine Elektroautos für Carsharing-Kundinnen und Kunden an. Im Rahmen der im letzten Jahr geschlossenen Kooperation mit book-n-drive treibt die Mainzer Mobilität den Ausbau des Carsharings und dessen Vernetzung im Umweltverbund weiter voran. „Mit der Unterstützung der Mainzer Stadtwerke konnte hier in sehr attraktiver Lage ein öffentliches E-Carsharing-Angebot geschaffen werden. Wir machen Elektromobilität damit für über 5000 Carsharing-Kundinnen und Kunden in Mainz erlebbar“, so Christian Hoffmann, Leiter Kunde & Öffentlichkeit der Mainzer Mobilität und Geschäftsführer der Mainzer book-n-drive Carsharing GmbH.

Dr. Brosze: „Hier auf dem Vorplatz zeigen wir damit das ganze Spektrum unserer Mobilitätsangebote. Auch bei der Umstellung des eigenen Fuhrparks gehen die Stadtwerke mit gutem Beispiel voran: Inzwischen verfügt die Unternehmensgruppe über mehr als 20 Elektrofahrzeuge, vom E-Smart über Kastenwagen bis zu elektrisch betriebenen Transportern. Generell gilt die Devise, dass bei Neubeschaffungen von Dienstwagen reine Elektrofahrzeuge oder Hybrid-Exemplare bevorzugt angeschafft werden sollen. Deshalb wurde in den vergangenen Monaten die Ladeinfrastruktur in der Stadtwerke-Tiefgarage aufgerüstet, das gilt auch für den Innenhof des Werkgeländes. Insgesamt gibt es jetzt fast 30 interne Lademöglichkeiten für Stadtwerke-E-Fahrzeuge. In den kommenden Jahren werden schrittweise weitere Ladestationen dazukommen, dies in erster Linie auf dem großen Mitarbeiter-Parkplatz am Frauenlobplatz. Auch die Stadtwerke-Mitarbeiter sollen damit die Möglichkeit bekommen, am Arbeitsplatz ihr privates E-Fahrzeug laden zu können.

Dr. Brosze: „Vor einigen Wochen haben wir der Öffentlichkeit unser Pilotprojekt mit der Bereitstellung der kompletten Ladeinfrastruktur und drei E-Fahrzeugen für die Caritas vorgestellt. Dieses Projekt, aber auch der Ausbau der eigenen Ladeinfrastruktur helfen uns dabei, weitere Erfahrungen im Arbeitsalltag zum Thema E-Mobilität zu sammeln. Solche Informationen benötigen wir bei der Einschätzung zum notwendigen Ausbau der Stromnetze im Zuge des Ausbaus der Elektromobilität.“

Doch auch für die Mainzer Stadtwerke Vertrieb und Service GmbH ist dieses Engagement zum Ausbau der Elektromobilität sinnvoll und wichtig. Dr. Sandra Schmidt, Geschäftsführerin des Stadtwerke-Vertriebsgesellschaft: „Zum einen haben wir für Kundinnen und Kunden attraktive umweltfreundliche Ladestromangebote und das notwendige Knowhow rund um das Thema Ladeinfrastruktur. Für andere Unternehmen oder Fuhrparkbetreiber sind wir bei diesem Thema darüber hinaus ein kompetenter und verlässlicher Partner, wenn diese darüber nachdenken, ihre Flotten umzurüsten auf Elektromobilität.“